Freitag, 03. Juli 20269.00 bis 18.00 UhrPC Pool 265
Samstag, 04. Juli 20269.00 bis 18.00 UhrRW 5
Freitag, 10. Juli 20269.00 bis 18.00 UhrRW 6
Samstag, 11. Juli 20269.00 bis 18.00 Uhr
(jeweils s.t.)
RW 6

Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Studierende mit Grundkenntnissen im materiellen
Strafrecht und im Strafprozessrecht, wobei die strafprozessualen Grundlagen im Kolloquium selbst
vorgestellt werden und Gegenstand der Diskussion sein sollen.
Der Erforschung der Wahrheit als einer zentralen Aufgabe des Strafverfahrens dienen sowohl die Ermittlungen
der Staatsanwaltschaft als auch die Beweisaufnahme in der Hauptverhandlung. Dabei kommt Zeugenaussagen
eine besondere Bedeutung zu.
Genau hier aber begegnen in der Praxis des Strafverfahrens große Schwierigkeiten, die oft schon in der
Vernehmung ihre Wurzel haben. Vernehmungsfehler wie etwa suggestive Befragungen haben Auswirkungen
auf die Erinnerung und damit auf das Ergebnis der Vernehmung. Schon bloße Mehrfachvernehmungen können
sich, selbst bei an sich einwandfreier Durchführung, negativ auf die Erinnerung auswirken. Aber auch der
Wunsch insbesondere kindlicher und jugendlicher Zeugen, den (vermuteten) Erwartungen der vernehmenden
Person zu entsprechen, kann zu fehlerhaften Aussagen führen. Mit den Methoden der Aussagepsychologie wird
versucht, herauszufinden, ob die Angaben eines Zeugen zu einem bestimmten Geschehen den tatsächlichen
Umständen entsprechen.
Eine weitere Problematik liegt in der Protokollierung von Zeugenaussagen auf den unterschiedlichen Ebenen
des Strafverfahrens – mit zahlreichen Fehlerquellen. Schließlich hat dann das Gericht in freier
Beweiswürdigung über das Ergebnis der Beweisaufnahme zu entscheiden (§ 261 StPO), was nicht nur in
Konstellationen Aussage gegen Aussage besonderer Umsicht bedarf.
Das Kolloquium thematisiert die hier aufgeworfenen Fragen. Nach einer einführenden Übersicht über die
strafprozessualen Grundlagen werden die Fehlerquellen besprochen und Wege zu ihrer Vermeidung erarbeitet.
Eine aktualisierte Literaturliste wird nachgereicht.

Mainz, 02.03.2026
Michael Ling